Schwäbische Türkei

Regionalleiter:            Dr. Günter Junkers, Leverkusen

Die Bezeichnung “Schwäbische Türkei” wurde im 18. Jahrhundert geprägt. Sie bezog sich zunächst auf eine älteren Bezeichnung, die  zunächst nur einen Teil der unteren Baranya umfasste und seit etwa 1830 auf das gesamte Gebiet ausgedehnt wurde. Ihre Bedeutung bezieht sich auf die Tatsache, dass nach der Vertreibung der türkischen Besatzer das Land verwüstet und alles zerstört war. Die Dörfer waren leer und nur wenige Menschen wohnten in den Städten. Das Land wurde mit Deutschen, nicht nur Schwaben, sondern aus allen süddeutschen Gebieten, wiederbevölkert.

Die Schwäbische Türkei, von Donau, Drau und Plattensee begrenzt, war die größte deutsche Sprachinsel im Restungarn von 1918. Die heutigen ungarischen Verwaltungseinheiten entsprechen den früheren Komitaten Branau (ung. Baranya) mit Zentrum Fünfkirchen (ung. Pécs), Schomodei (ung. Szomogy) mit Zentrum Kaposvár und Tolnau (ung. Tolna) mit Zentrum Seckshard (ung. Szekszárd), einschließlich eines kleinen Teils der Südbaranya, die heute zu Kroatien gehört (Donau-Drau-Winkel).

Das Gebiet ist fast identisch mit der römisch-katholischen Diözese Fünfkirchen und umfasst etwa 3.700 Quadratkilometer. Vor dem Zweiten Weltkrieg lebten hier 200.000 Donauschwaben. Es ist heute das größte deutsche Siedlungsgebiet Ungarns.

Die ersten Deutschen ließen sich bereits 1690 in Fünfkirchen nieder. Der überwiegende Teil der Ortsgründungen erfolgte nach 1712, anfangs hauptsächlich an der Heerstraße entlang der Donau. Im Laufe der nächsten Jahrzehnte wurden auch die westlich davon gelegenen Gebiete erschlossen. Die Siedler kamen vor allem aus Schwaben, Unterfranken, Hessen, aus der Pfalz und dem Stift Fulda. Die Schwäbische Türkei gab, wie alle frühen ungarischen deutschen Siedlungsgebiete, einige Jahrzehnte später zahlreiche Kolonisten an die Batschka und ans Banat ab.


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