Nachlese zur Jubiläumsfeier (mit Video und Fotos)

Am 18. Oktober 2015, auf den Tag genau 40 Jahre nach der Gründungssitzung des Arbeitskreises donauschwäbischer Familienforscher in Sindelfingen, fand sich an gleicher Stelle im Haus der Donauschwaben eine große Versammlung von Mitgliedern und geladenen Gästen ein, um den Jahrestag im Rahmen eines Festaktes würdig zu begehen.

Zum Auftakt begrüßte Dr. Günter Junkers die teils von sehr weit angereisten Mitglieder sowie die geladenen Ehrengäste und überbrachte die Grüße und Glückwünsche derjenigen, die nicht anwesend sein konnten. Er rief nochmals die Vor- und Gründungsgeschichte des Vereins in Erinnerung und umriss neben der sachlichen auch die persönliche Dimension der Familienforschung. „Familienforschung bewegt, sie schafft Emotionen“, so ein kurzes und prägnantes Fazit.

Diese Aussage konnte Horst Zecha, Leiter des Kulturamtes Sindelfingen sowie des Patenschaftsbüros der Donauschwaben, in vollem Umfang bestätigen. Als Leiter des Kulturamtes der Stadt Sindelfingen ist er beruflich auch mit Familienforschung befasst, zumal Sindelfingen seit dem 18. Jahrhundert nicht wenige Auswanderer nach Südosteuropa und in die USA gestellt hat. Horst Zecha überbrachte der Festversammlung die Grüße des Sindelfinger Oberbürgermeisters Dr. Bernd Vöhringer und unterstrich die Bedeutung des Hauses der Donauschwaben in Sindelfingen als Ort internationaler Begegnungen, des kulturellen Austausches und dank der beiden Bibliotheken auch als Ort der Forschung.

Manfred Wegele, der Stellvertretende Vorsitzende der Deutschen Arbeitsgemeinschaft Genealogischer Verbände e.V. (DAGV) – zugleich auch Vorsitzender des Bayerischen Landesverein für Familienkunde e. V. (BLF), Leiter der Bezirksgruppe Schwaben im BLF und Gemeinderat von Tapfheim – begrüßte die Teilnehmer gleich in multipler Funktion, berichtete über die Arbeit der verschiedenen Vereine und Gruppen, denen er vorsteht, sowie über deren Berührungspunkte mit den Donauschwaben.

Jürgen Frantz, Vorsitzender der Arbeitsgemeinschaft ostdeutscher Familienforscher e.V. (AGoFF) skizzierte in seiner Ansprache die Situation, aus der heraus der AKdFF im Jahre 1974 gegründet wurde: Im Rahmen der ostdeutschen Familienforschung, die sich nach dem Zweiten Weltkrieg in Westdeutschland erneut gesammelt und unter ihrem Dach alle Gruppen vereint hatte, die das gleiche Schicksal des Heimatverlustes verband, entstanden im Laufe der Jahre mehrere regionale Zusammenschlüsse wie der AKdFF, die sich zu eigenen Vereinen und Arbeitsgemeinschaften entwickelten, um so ihre jeweils spezifischen Anliegen besser verfolgen zu können. Jürgen Frantz thematisierte auch die Umbrüche und Änderungen in der Arbeit der Vereine, die sich aus der neuen Ära der Omnipräsenz des Computers und des überall verfügbaren Internets ergeben.

Als Vertreter dieser „neuen Ära“ richtete dann Andreas Job vom Verein für Computergenealogie e.V. eine Grußadresse an die Festversammlung, die, gekleidet in kurzweilige Worte zu anderen 40jährigen Jubiläen, jedem deutlich machte, wie schnell 40 Jahre vergehen und wie unendlich viel sich in einer so kurzen Zeitspanne verändern kann.

Dr. Kornél Pencz als Vorsitzender des Arbeitskreises ungarndeutscher Familienforscher (AKuFF) schilderte den AKdFF als Gründer neuer Arbeitskreise, denn vor 15 Jahre hob der AKdFF den Arbeitskreis der ungarndeutschen Familienforscher aus der Taufe. Dr. Kornél Pencz dankte für die vielfältige Unterstützung und schilderte die Bedeutung bzw. Vorbildfunktion, die die Vereinsarbeit des AKdFF für andere Gesellschaften hat.

Dr. Christian Weiß, Leiter der Sektion Genealogie im Arbeitskreis für Siebenbürgische Landeskunde e.V., machte in seinem Grußwort auf einen denkwürdigen Umstand aufmerksam: Banater Schwaben, die einen erheblichen Anteil der Donauschwaben stellen, und Siebenbürger Sachsen, deren Siedlungsräume aneinander grenzten, lebten und leben in Parallelgesellschaften ohne rechte Verbindung zueinander einher. Erst das gemeinsame „Schicksal Rumänien“, die Russlandverschleppung 1945 und die Jahrzehnte des Kommunismus konnten eine gewisse Annäherung bewirken, die die alte Distanz aber nicht aufzuheben vermochte. Das hat heute noch zur Folge, dass die genealogischen Sektionen der beiden Gruppen parallel zueinander laufen, ein Zustand, der durch Zusammenarbeit sicher zum Positiven verändert werden kann.

Obwohl insgesamt sechs Grußworte zum Vortrag kamen, wurden die Zuhörer nicht gewahr, wieviel Zeit darüber vergangen ist, denn die Beiträge waren alle sehr informativ und banden die Aufmerksamkeit bis zur letzten Minute. Nach einer musikalischen Einlage – in diesem Falle die Polka Italienne von Sergej W. Rachmaninow, vorgetragen von Daniel Weiß (Klavier) – gab Dr. Karl-Peter Krauss vom Institut für donauschwäbische Geschichte und Landeskunde in Tübingen im Rahmen seines Vortrags „So lebet ehrlich und fürchtet den lieben Gott. Quellen zu den Lebenswelten deutscher Ansiedler im Königreich Ungarn“ einen Einblick in die wirtschaftliche Situation deutscher Auswanderer im 18. Jahrhundert.

Der mit zahlreichen Aufnahmen von Originaldokumenten, zumeist Briefen und amtlichen Schreiben unterlegte Vortrag zeigte nicht nur sehr anschaulich, wie komplex die deutsche Besiedlungsgeschichte Ungarns ist, sondern auch wie vielschichtig die Quellen sind und welche Gratwanderung ihre Interpretation darstellen kann. So trug Dr. Krauss den Fall einer Frau vor, die sich in einer Erbschaftsangelegenheit den Behörden gegenüber als notleidend darstellte, gleichzeitig aber an ihren Vater schrieb, er möge doch auch nach Ungarn kommen, denn hier sei alles wesentlich wohlfeiler zu haben als in der alten Heimat. Im Verlauf des Vortrags wurde deutlich, daß aus der Kombination amtlicher Dokumente, persönlicher Schreiben und genealogischer Daten die Lebenswirklichkeiten der Auswanderer in manchen Fällen recht genau rekonstruiert werden können. Dabei entsteht ein genaues Bild der wirtschaftlichen Umstände der Menschen wie der Zeit sowohl in Ungarn als auch in den deutschen Ländern, aus denen die Kolonisten stammten. So manche althergebrachte These zur Ungarnbesiedlung, wie z. B. die Behauptung, es seien nur mittellose Personen nach Ungarn eingewandert, kann damit ins Reich der ideologischen Fabeln verwiesen werden.

Nach dem Vortrag von Dr. Krauss wurde die Ausstellung „40 Jahre AKdFF“ offiziell eröffnet. Sie zeigte neben zahlreichen Dokumenten aus der Vereinsgeschichte vor allem die Ergebnisse genealogischer Forschungsarbeit sowie zahlreiche Originalquellen. Neben Kirchenbüchern, Schematismen, Akten oder historischen Todesanzeigen aus den verschiedenen Forschungsgebieten, war auch ein ganzer Stapel bislang unveröffentlichter Heiratsverträge aus Kéty in Ungarn aus dem 18. Jahrhundert zu sehen.

Beim anschließenden Stehempfang entspannen sich zahlreich interessante Gespräche aus denen sicher die eine oder andere Zusammenarbeit erwachsen dürfte. Nachmittags bestand dann noch die Gelegenheit, die beiden im Haus befindlichen Bibliotheken zu besichtigen, ein Angebot, von dem rege Gebrauch gemacht wurde.

An dieser Stelle möchte der Vorstand sich nochmals herzlich bei allen bedanken, die am Erfolg der Veranstaltung mitgewirkt haben. Besonders hervorgehoben seien nochmals

  • Anita und Torsten Villnow für die umfangreichen Arbeiten zur Umsetzung der Ausstellung sowie die Dokumentation der Festveranstaltung
  • Karl-Peter Krauss von IdGL Tübingen für den ausgezeichneten Vortrag
  • Daniel Weiß (Musikhochschule Stuttgart) für die vorzügliche Gestaltung des musikalischen Rahmen am Klavier mit Werken von Mozart, Rachmaninow, Chopin und Brahms
  • das Haus der Donauschwaben Sindelfingen für die großzügige Gastfreundschaft und die Möglichkeit, die Infrastruktur zu nutzen.

Autor: Dr. Hertha Schwarz

40 Jahre AKdFF_001
« 1 von 84 »

 

Folgend noch ein Artikel über unsere Veranstaltung, der am 20. Oktober 2015 in der Sindelfinger Zeitung erschienen ist:

Artikel Sindelfinger Zeitung 20.10.2015